„Was ist aus Heitz geworden?“ oder „Ein Shooting-Star auf Tauchfahrt in die Hohlbein-Hölle“

•20. April 2009 • 2 Kommentare

Hallo Welt!

Tag 2 meines Blogs neigt sich dem Ende zu und für mich ist klar, dass schleunigst ein neuer Artikel herangeschafft werden muss, um das Projekt nicht sofort abebben zu lassen. Und da sich dieser Artikel schon wieder mit Literatur befassen wird, habe ich diese Kategorie hiermit offiziell als Untergruppe der Banalitäten erstellt.

Das Thema an sich ist (für mich) zwar gerade nicht mehr unmittelbar aktuell, aber da ich vor einiger Zeit feststellen musste, mit meiner Meinung in diesem Punkt nicht alleine zu stehen, kann ich mir vorstellen, dass den einen oder anderen vielleicht meine Gedanken dazu interessieren könnten.

Seit wenigen Jahren stellt sich mir zunehmend die eine, vernichtende Frage, wenn ich an einen meiner ehemaligen Lieblingsautoren und seine jüngeren Publikationen denke: Was ist aus Markus Heitz geworden, unserem guten alten Meister Mahet, Shooting-Star der deutschsprachigen Fantasy-Literatur? Wer nicht weiß, worauf ich hinauswill, sollte am besten gar nicht erst weiterlesen, denn in dem Fall ist davon auszugehen, dass derjenige meine Meinung nicht teilt, doch ich für mich muss sagen: Heitz lässt nach, und zwar gewaltig!

Ich habe ihn wirklich, wirklich gemocht und das zu einer Zeit, zu welcher man auch noch aufrichtig dazu stehen konnte. Seinen ersten Ulldart-Zyklus habe ich verschlungen, die Shadowrun-Romane (soweit ich sie bislang gelesen habe), haben sofort die Rollenspiellust in mir geweckt und auch mit dem ersten Zwerge-Band wurde ich schnell warm – und das, obwohl die bärtigen Kleinwüchsigen nun so gar nicht mein favorisiertes Fantasievolk sind.  Heute sehe ich ihn jedes Halbjahr mindestens ein neues Buch veröffentlichen und mag mich an seine neueren Projekte gar nicht mehr erst heranwagen.

Woran liegt das? Sicher bin auch ich älter geworden und meine Interessen und Ansprüche haben sich gewandelt, doch kann das wirklich die ganze Erklärung sein? Ich denke, die ist vielmehr werkimmanent zu suchen. Mir persönlich kommt es vor, als leide Heitz seit etwa 2005 am berüchtigten Hohlbein-Syndrom. Quantität statt Qualität, Masse statt Klasse und Kommerz statt Liebe. Das klingt nun hart und ist vielleicht auch nicht gerecht, beschreibt mein individuelles Leseempfinden jedoch sehr gut. Doch anders als Herr Hohlbein sind es nicht die ständigen sprachlichen wie thematischen Wiederholungen, die mich seine Bücher weglegen lassen, sondern vielmehr der krankhafte Drang nach Superlativen, inflationäre Magie, das schlichte Abheben aus den mir so liebgewonnenen Kreisen fantastischer Unterhaltung. Wer mir nicht folgen kann – vielleicht zu recht – sollte hier nun endgültig den X-Button oder einen anderen Artikel suchen.

Was also meine ich? Am besten sei dies an einem konkreten Beispiel erläutert: die Zwergenreihe. Was als beschauliche und wunderbar klassische Fantasy-Geschichte begann, mutiert ab Band drei zur erzwungen innovativen, krampfhaft und lieblos umgestalteten Welt, der bärtige Zwerge und grüne Orksen nicht mehr genügen und die sich zur abgedrehten, aber jedes Gefühl vermissenden, Fremdwelt wandelt. Es ist nun wirklich nicht so, dass ich etwas gegen alternativen Fantasywelten hätte – ich habe Heitz‘ Ulldart-Reihe sehr gemocht – doch anders als in der Dunklen Zeit vermisse ich hier Detailreichtum, innere Logik, Konsequenz und vor allem Liebe zur eigenen Welt. Das geht bei mir so weit, dass ich Band 4 der Reihe nach wenigen Seiten, nun endgültig und vollkommen enttäuscht, weglegen musste. Aus dem Geborgenen Land, das mir einst als sympathische – zwar klassische aber dafür umso liebevollere – Fantasywelt erschienen war, ist etwas geworden, zu dem es mir schwerfällt, einen Bezug aufzubauen und mit dem ich mich nicht länger identifizieren kann.

Wo die jüngere Fantasy also enttäuscht, so könnte man sich denken, kann ja womöglich Heitz neuere Reihe der „Dunklen Spannung“ Ersatz schaffen. Doch was mit Ritus noch halbwegs (hier wörtlich zu nehmen!) spannend und atmosphärisch begann, verschlug es mit dem Nachfolger Sanctum erneut in krampfhaft abgedrehte Höhen, wo Kampfnonnen sich um heiliges Blut prügeln und von dem mysthischen Charme des historischen Handlungsstrangs aus Teil 1 nichts geblieben ist. Halt, da gibt es ja noch Handlungsstrang 2 und der hat sich tatsächlich im Vergleich zu Ritus gebessert, sodass es nun nichtmehr ausschließlich um Sex und Gewalt geht, sondern tatsächlich auch die Geschichte vorangebracht wird. Das war womöglich der rettende Strohhalm für dieses Buch und ich habe es tatsächlich zuende gelesen, trotz des erneuten Einbruchs und der sich anbahnenden Fehlentwicklung.

Als mir dann „Blutportale“ in die Hände fiel, meinte ich, einen eigenständigen und vielleicht endlich einmal etwas weniger abgefahrenen Horror-Mystery-Roman vor mir zu haben, doch hat dieses Buch es gar geschafft, mir nachträglich auch noch Ritus und Sanctum vermiesen. An diese Bücher wird zwar nur lose angeknüpft, doch dafür wird die Romanwelt noch weiter mystifiziert und durch inflationären Gebrauch an Übernatürlichkeiten und ausschweifender Phantastik verdorben und schafft so auch für die Quasi-Vorgängerromane Ritus und Sanctum einen üblen Nachgeschmack, der mir so dermaßen unangenehm auf der Zunge lag, dass ich das Buch nach knapp der Hälfte zur Seite legte und bis heute nicht wieder angefasst habe. Was auch hier als bodenständige und einigermaßen angenehme Fantasy begann wird zum Wirren Monstrum mit Dimensionstüren und nicht länger greifbaren Geschöpfen und Kreaturen. Klasse gemacht, Meister Heitz!

Heitz hat es nun also tatsächlich geschafft, dass ich nun einige ungelesene bzw nicht vollständig gelesene Romane von ihm im Regal stehen habe und den guten alten Zeiten nur noch nachtrauern kann, anstatt neuerliches Lesevergnügen zu genießen. Einziger Trost war da noch die neue Ulldart-Triologie, die vor allem von der aus den Vorgängern liebgewonnenen und sympathischen Welt mit ihren tollen Charakteren lebt und wo Heitz glücklicherweise (noch) keine radikale Umkrempelung zu Gunsten des Abgedrehten durchgeführt hat. Ich kann nur hoffen, dass er das in zukünftigen Fortsetzungen nicht vorhat. Bitte Mahet, lasse mir doch wenigstens noch eine deiner wunderbaren Welten!

Leider habe ich jedoch wenig Hoffnung, dass Heitz sich in absehbarer Zeit von seinem Hohlbein-Vielschreib-Virus erholt und zur bodenständigen und liebevoll gestalteten Fantasy- und Horrorliteratur zurückkehrt. Ich wäre ihm dennoch unendlich dankbar.

Es grüßt

Bilgamesch

ehemaliger Fan und Leser

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Bilgamesch liest…

•19. April 2009 • Schreibe einen Kommentar

Hallo Welt,

da ich es irgendwo für einen schlechten Start halten würde, einen neuen Blog zu eröffnen, ohne einen Eingangsartikel zu hinterlassen, habe ich mich entschlossen, einen ersten Artikel für die soeben eröffnete Kategorie „Banalitäten“ zu verfassen, in welcher sich Gedanken, Eindrücke und Kommentare zu meinen Freizeitbeschäftigungen und sonstigen für den Leser absolut unwichtigen Nichtigkeiten finden lassen werden.

Nachdem ich in der Frühphase 2009 ziemlich wenig und unregelmäßig las, habe ich mich nun wieder verstärkt einigen Büchern zugewandt. Der Roman, der sich derzeit auf meinem Nachttisch findet, ist „Unheil“ von Wolfgang Hohlbein, ein selbstbetitelter Actionthriller, der sich – welch unheilvolle Überraschung – mit einem Vampir befasst, der die Großstadt von heute unsicher macht. Ich bin inzwischen bis ins Herzen des Romans vorgedrungen und habe mich an sich soweit annehmbar unterhalten. Zunächst fiel mir vor allem der stilistische Kontrast zu Hohlbeins älteren Werken auf. Wenn ich mich an die (von mir zwar geschätzte aber nie zuende gelesene) Enwor-Reihe zurückerinnere, denke ich vor allem an gewaltige (und sich zugegeben auch oft wiederholende) sprachliche Bilder und tiefe Einblicke in Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten. „Unheil“ wirkt hier schneller, weniger opulent und direkter, was meiner Meinung nach gut zu dem Roman passt. Die Handlung ist in Ordnung, also gerade so gut, dass der schnelle und direkte Erzählstil sie erträglich und zumeist sogar unterhaltsam macht, einen Innovationspreis verdient sie jedoch nicht. Für mich kommt der Roman derzeit recht gelegen, nicht nur, weil ich ihn geschenkt bekommen habe, sondern auch, da mir derzeit eine etwas oberflächlichere und anspruchslosere Unterhaltung angenehm scheint. Wer ähnliche Ansprüche hat und/oder Hohlbein mag, kann gerne zuschlagen.

Nebenher, vor allem auch wenn ich gerade keine Lust auf Hohlbein habe, vertiefe ich mich auch in meine neueste Errungenschaft im Bereich der Rollenspielbücher. Ich habe mich hier per ebay an das erste Cthulhu-Buch gewagt, namentlich das Spielleiter-Handbuch der Zweiten Edition von Pegasus Press. Auch wenn ich das Spieler-Handbuch dazu nicht kenne und auch ansonsten wenig Hoffnung auf eine baldige Möglichkeit, Cthulhu zu leiten, sehe, macht die Lektüre Spaß und ist vor allem – auch für das Rollenspiel allgemein – sehr interessant. Ich habe selten so gute Abschnitte über das Schreiben von eigenen Abenteuern und Kampagnen gelesen und die Tipps und Anregungen für den Cthulhu-Spielleiter lassen sich in vielen Fällen auch sehr gut auf andere P&P-Systeme übertragen. Bis zum eigentlichen Mythos habe ich mich noch nicht vorgearbeitet, doch ich bin sicher, dass es nicht lange dauern wird. Bislang hatte ich keine Probleme, das Buch von Seite 1 an durchzulesen, was bei einem Rollenspielbuch für mich nur äußerst selten der Fall ist. Meine Empfehlung des Monats für jeden Spielleiter, ob er nun Cthulhu oder ein ganz anderes Setting leitet.

Letzlich werfe ich noch hin und wieder einen Blick in den berühmten Gotteswahn des Biologen und inzwischen auch militanten A- und Antitheisten Richard Dawkins. Das ist Versuch Nr. 2, dieses an sich zwar nicht anspruchs- oder sonderlich gehaltvolle, aber doch sehr interessante philosophisch-theologische Buch hinter mich zu bringen. Hier ist es weniger die Komplexität der Darstellung, die mich etwas abschreckt, sondern mehr der Mangel an tatsächlichen – für mich selbst neuen – Ideen. Ich habe dem Buch bislang, abgesehen von einigen Netten Vergleichen und Anekdoten, nichts Neues abgewinnen können. Dawkins wirft die Grundgedanken atheistischer Philosophie in einen großen Kochtopf, übersetzt sie in eine für die breiten Masse verständlichen Sprache und würzt sein Werk mit einer großen Prise Polemik. Es ist also kein Wunder, hier einen umstrittenen Bestseller in Händen zu halten, mir kommt Dawkins ein wenig vor wie der Luther der Atheisten. Wie der Augustinermönch des späten Mittelalters macht er im Grunde wenig anderes, als vorhandenes Gedankengut zu übersetzen, den Menschen nahe zu bringen (wie Luther die Bibel) und provokante Thesen abzuleiten. Ich halte wenig von seiner nahezu militanten Haltung allem Klerikalen gegenüber, auch wenn ich sie gewissermaßen nachvollziehen und auch geringfügig teilen kann. Wer das Buch nicht kennt, mag einen Blick hinein wagen, wer anspruchsvolle Philosphie sucht, ist hier jedoch grundliegend falsch.

Soweit meine Eindrücke von meinen aktuellen Lektüren. Vielleicht kann ja der ein oder andere tatsächlich etwas damit anfangen.

Ich verbleibe mit literarischem Gruß

Bilgamesch

Hallo Welt!

•19. April 2009 • Schreibe einen Kommentar

Hallo, weite Welt des Internets!

Ich bin hier, dich heute mit einem weiteren an sich unnötigen, vielleicht aber doch irgendwo für irgendjemanden (und sei es nur für mich selbst) interessanten Blog zu versehen.

Alle Welt bloggt und auch ich mag mich diesem Trend nicht weiter verschließen, wohlwissend, dass ich im Grunde nichts zu sagen und noch weniger zu publizieren habe. Und doch haben Langeweile und Neugier obsiegt und mich zur Eröffnung dieses meines eigenen Blogs getrieben.

Ich wünsche eine angenehme Lektüre und hoffe, mich selbst zum Schreiben einiger Artikel nötigen zu können, um euch regelmäßig neue Einblicke in die Gedankenwelt eines unwichtigen Individuums unter Milliarden anderen zu vermitteln.

Auf ein spezifisches Thema mag ich mich bei diesem Projekt nicht festlegen. Ich werde schreiben, was immer mir in den Sinn kommt und ich bitte um Nachsicht für meine vielleicht hin und wieder eigentümliche und sicher auch oftmals unqualifizierte, subjektive Sicht auf Politik und Zeitgeschehen, philosophische und theologische Fragen – oder einfach Banalitäten meiner Hobbies und Interessen.

Es verbleibt mit Gruß

Bilgamesch